Donnerstag, 18. Mai 2017

Meet, Eat & Interview 1 - HRW Art




 
Unter den Schweizer Künstlern ragt Hans Rudolf Weber als dynamischer, perfektionistischer Visionär mit unermüdlichem Schöpfungsdrang heraus. Im Stillen herangewachsen und sich den normativen Unterscheidungskriterien der aktuellen Kunstströmungen widersetzend, zeichnet er sich durch ein vielfältiges und eigenwilliges Werk in Malerei und Skulpturen aus, das verdient, näher betrachtet zu werden. 




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Lisa Lu interviewt den Künstler Hans Rudolf Weber


LL: Gibt es eine bestimmte Begebenheit, welche dich zur Kunst gebracht hat?
HRW: Ich hab die Welt und Umgebung schon immer visuell aufgenommen und die Schönheit und der Reiz von Landschaften begeistern mich. So fotografiere ich auf Reisen und zeichne das, was mich beeindruckt. Regelmässige Besuche von Kunstausstellungen beeinflussten mich und natürlich auch meine Kontakte mit Künstlern.

LL: Wie lerntest du die Malerei?
HRW: Ich lernte autodidaktisch. In der Mittelschule hatte ich Zeichenunterricht und ich denke, das war der Grundstein für meine spätere Leidenschaft. Obwohl ich auch schon damals sehr gerne zeichnete. Als ich jung war und in der Mittelschule, machte ich Ausflüge mit dem Velo in die Natur und malte. Meine ältere Schwester unterrichtete an der Kunstgewerbeschule und schenkte mir
einen Künzle-Filzstift. Das war damals eine Sensation! Ich nahm in der Mittelschule auch an Zeichnenwettbewerben teil, gewann aber nichts und in der Kantonsschule nahm ich an einem Wettbewerb teil für das Titelbild einer Kunstzeitschrift. Oder ich bewarb mich für eine Kunstausstellung mit einem damals modernen 'Kleisterbild'.

LL: Erzähl mir doch über dein Leben bevor du begannst den künstlerischen Weg einzuschlagen.
HRW: Ich begann früh mit meiner Anwaltstätigkeit, nachdem ich das Jurastudium abgeschlossen hatte. Über eine Grossbank war ich im Ausland bei deren Hauptsitz tätig. 1967 eröffnete ich meine eigene Anwaltskanzlei in Zürich und befasste mich hauptsächlich mit Asset Management. Viele hochkarätige Mandate betreute ich über Jahrzehnte. Als ich so um die fünfzig Jahre alt war, belastete mich mein anstrengender Beruf zu sehr, er frass mich fast auf und ich entschied mich statt dem Stress zu frönen, mich um meine Gesundheit zu kümmern. Um 1982 also, beschloss ich weniger zu arbeiten und mehr zu geniessen. Also reduzierte ich meine beruflichen Tätigkeiten zugunsten von Sport und Kunst. Ich begann zuerst eine halbe Stunde in der Mittagspause zu spazieren und die Spaziergänge wurden immer länger, bis ich dann öfters mal zwei Stunden unterwegs war. Ich begann ernsthaft zu malen und stellte Skulpturen her.

LL: Was veränderte sich in deinem Leben, nachdem du begannst kreativ zu werden?
HRW: Es war eine enorme Bereicherung. Ich kam immer mehr zur Ruhe und neue Horizonte öffneten sich für mich.

LL: Welche Horizonte?
HRW: Ja vorallem der 'Gefühlshorizont'. Es war ein grosser Wechsel in meinem Leben. Man kann sagen, vom rationalen Denken viel mehr hin zur Empathie.

LL: Wie alt warst du damals?
HRW: So Mitte 50 herum. Die Natur brachte mich zur Kunst und ich begann mit Aquarell. Und ich erinnerte mich wieder, dass ich ja damals, als Junger, auch schon so gerne kreativ war. Das, was ich so lange vergessen hatte, brach also um die fünfundfünfzig wieder aus mir heraus. Ich entdeckte eine Künstlerin an der Kunstgewerbeschule, die fantastische Aquarellmalereien herstellte. Sie inspirierte mich enorm. Diese Feinfühligkeit zulassen zu können, machte mich glücklich, denn in meinem Beruf war ja Feinfühligkeit nicht besonders angesagt. Also begann ich Landschaften nach Fotos zu malen. Das machte ich jahrelang, doch irgendwann befriedigte es mich nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, dass sowas quasi jeder machen kann. Als die Berliner Mauer fiel in 1989, inspirierte mich das so sehr, dass ich begann abstrakt zu malen.

LL: Wie hast du denn deinen Stil gefunden?
HRW: Das war ein langer Weg. Vom figurativen zur Abstraktion, man muss den Weg erst finden. Doch es ist viel aufregender, als etwas abzumalen, was bereits vorhanden ist, wie eben die Landschaftsbilder. Ich verfolgte die verschiedensten Richtungen und lustigerweise kam ich wieder zurück ins Figurative über die Technik, den Computer. Ich verarbeitete Fotografien am Computer und projizierte sie auf die Leinwand oder Forexplatten und veränderte die noch weiter. Das was mich reizt ist immer wieder ein neuer Ausdruck und neue Variationen.

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LL: Was sind deine Lieblingsmaterialien?
HRW: Papier, Stoff, Karton, Holz, Scotchcast und besonders Forexplatten.

LL: Wann ist ein Mensch Künstler?
HRW: Wer beurteilt, wann ein Mensch Künstler ist? Das liegt sicherlich im Auge des Betrachters und ob dein Stil zur richtigen Zeit von den richtigen Leuten gemocht wird.

LL: Ist nicht ein Künstler jemand, welcher Situationen und Dinge neu interpretiert?
HRW: Nicht unbedingt. Erlebnisse, Empfindungen und Träume versuche ich bildlich umzusetzen.

LL:Welche Themen verarbeitest du in der Kunst?
HRW: Zum Beispiel berufliche Situationen, von Banken Up and Downs und ich überlegte, ob ich Bilder zu diesen Themen machen sollte. Daraus kam zum Beispiel mein Bild 'Börsenschlaf, 2002'.

Börsenschlaf, HRW-Art, 2002
Was mich jedoch nach wie vor immer wieder inspiriert ist die Natur. Zum Beispiel aus der Bergkette 'der wilde Kaiser' in Österreich bei Kitzbühl, welche ich 2016 fotografierte und im Computer bearbeitete, wurde ein Digitaldruck.

LL: Was ist deine Herangehesweise an ein neues Werk?
HRW: Spontan. Ich setze mich vor eine leere Leinwand und lasse mich von Intuitionen, Eingebungen oder auch Träumen leiten.

LL: Man könnte also sagen, dass du ein 'Freestyler' bist, ein Improvisierungskünstler. Das gefällt mir, denn Improvisation ist die hohe Kunst!
HRW: Ja, ich lasse meiner Phantasie freien Lauf und das finde ich am spannendsten! Ich springe aber von der Improvisation auch hin zu geplanten Umsetzungen. Wo ich ein Bild mental vorbereite durch Gedankengänge, Wünsche und Erlebnisse. Bei der FFP Technik (Filtered Fotographs Painted), werden Fotos von Personen oder Landschaften am Computer bearbeitet, verändert, ausgedruckt und wieder als Vorlage auf eine Leinand projiziert, dann gemalt oder als Digitaldruck umgesetzt.

LL: Welche Künstler inspirieren dich?
HRW: Sigmar Polke, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Joan Miro, Matisse und Penck und natürlich auch Pablo Picasso, den hätte ich gerne kennengelernt.

LL: Beschreibe Glück.
HRW: Erfolg haben und gesteckte Ziele erreichen, aber auch Menschen glücklich machen und natürlich Liebe spüren. Sicher auch die Freiheit haben, das zu tun, was einem Lust und Freude bereitet und zufrieden macht.

LL: Und wie definierst du Unglück?
HRW: Ständiger Misserfolg, Lieblosigkeit, Armut und Unruhe.

LL: Ist künstlerisch tätig sein lebensnotwendig für dich?
HRW: Finanziell gesehen nein, ich muss nicht davon leben. Doch es befriedigt mich ungemein, meinen inneren Drang nach kreativem Audsdruck folgen zu können und Neues zu erschaffen.

LL:Was würdest du aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern raten?
HRW: Sie sollten zuerst einen Beruf lernen, von dem sie leben können.

LL:Welches Buch würdest du auf eine Insel mitnehmen?
HRW: Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel Garcia Maquez

AUSSTELLUNGEN IN 2017


·        21. - 24. Sept. - Contemporary Art Fair, Giessereihalle PULS 5, 8005 Zürich
·        16. Sept. - 9. Okt - Kunst im West, 8005 Zürich

Das Interview mit dem Schweizer Künstler Hans Rudolf Weber, fand am 18. Mai 2017 im Garten des Restaurant TAOS in Zürich statt.


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